Doppelstock

Das Training mit den wirbelnden Stöcken und die Koordination

Von Andreas Güttner

Beitrag im Ju -Jutsu Journal Februar 2001

Nach längerer Pause wird Andreas das zweite mal auf dem Bundesseminar als Referent vertreten sein. Der angehende Diplomsportlehrer sammelte seine Budo Erfahrungen in den unterschiedlichsten Gebieten und besitzt hohe Graduierungen im Ju-Jutsu, Ju-Jitsu und Viet Vo Dao. Als Eskrima Instructor wird er das Thema Doppelstock unter Koordinationsaspekten beleuchten und auch Langstock (Bo) Techniken unterrichten. Der passionierte Turner arbeitet auch als Stuntman und Stunttrainer. Auch hier wollen wir von seinem Können profitieren. Ich freue mich schon auf seine Einheiten.

Joachim Thumfart (Technischer Direktor)

Manch ein Ju-Jutsu-Ka mag behaupten: „Ich habe doch auf der Straße keine zwei Stöcke dabei.“ Und da hat er auch ganz recht. Was macht das Training mit zwei Stöcken so wertvoll für den Ju Jutsu Ka?

Das Training mit zwei Stöcken, in philippinischen Systemen „Sinawali“ genannt, beinhaltet u.a. folgende Aspekte:

Üben der grundlegenden Schlagtechniken in hoher Wiederholungszahl

Beim Doppelstock – Training lernt der Schüler, jeden Schlag korrekt auszuholen, den Stock richtig zu beschleunigen und präzise zu treffen. Er trainiert das Timing, die Schnelligkeit, die Ausdauer, die Koordination und das periphere Sehen. Und das in einer fortlaufenden Übungsform, bei der man bis zu 250-300 Schläge in der Minute erreichen kann.

Üben mit rechts und links

Die Seitigkeit ist in allen Kampfkünsten und Kampfsportarten ein wichtiges Thema. Gerade in der Selbstverteidigung kann man sich nicht auf einen Standart festlegen, da dem Steinzeitmenschen, der einen auf der Straßen in den Boden rammen will, die Kampfauslage herzlich egal ist. Aber auch Wettkämpfer können von einem Repertoire nur profitieren, das sich beider Körperseiten bedient.

Doppelstock verbessert die Koordination
(rechts und links, Oberkörper/Unterkörper)

Eine Körperseite lernt auch immer von der anderen mit. Wenn ich einige Zeit meine linke Körperseite trainiere (bei Linkshändern die rechte), so lernt die rechte (linke) mit, und oft klappt es dann dort noch besser als vorher. Sobald eine Schlagmuster erst einmal gefestigt ist, kann man beginnen, die Beinarbeit zu variieren. Dabei geht man nach dem methodischen Konzept vor: vom Leichten zum Schweren, vom Einfachen zum Komplexen (…).

Eskrima
Während z.B. das Doppelstock – Schlagmuster oben wie automatisch weiter läuft, kann der Übende sich voll auf die Beinarbeit konzentrieren. Die Rhythmen können sich gleichen (4 Schläge : 4 Schritte), überdecken (4:2) oder schließlich völlig unabhängig voneinander sein (4:5). Natürlich wird es erst richtig interessant, wenn alle Waffen eingesetzt werden können und Lowkicks, Stoppfußstöße (Sipat) und andere das Schlagmuster ergänzen.

Doppelstock verhindert einseitigen Belastungen

40 cm Oberarm rechts 20 cm links, das kann nicht sein! Das Doppelstocktraining belastet beide Körperseiten gleichmäßig.

„Wird das Sinawali lange und ohne Pausen (1/2 – 2Std.) trainiert, so wird primär die allgemeine aerobe Ausdauer der Arm-, Schulter, Rücken und Brustmuskulatur angesprochen. Wird das Sinawali jedoch auf maximale Geschwindigkeit hin ausgeführt, und das kann man selten länger als eine bis höchstens zwei Minuten durchhalten, so ist dies eine allgemeine anaerobe laktazide Belastung und führt zur Übersäuerung der beanspruchten Muskulatur. In beiden Fällen muß man versuchen, so locker wie möglich zu bleiben. In dem einen Fall kann man das Sinawali, wenn man locker bleibt,   länger, im anderen Fall schneller ausführen, da sich eine muskuläre Verspannung sowohl auf die Ausdauer wie auch auf die Geschwindigkeit negativ auswirkt.“
(Dieter Knüttel, „Einführung in die Sportart Modern Arnis mit Hilfe einer Videoproduktion“, Deutsche Sporthochschule Köln, 1988)

Jetzt verrate ich ein wohlgehütetes Geheimnis: Vergleicht doch mal den sogenannten Dreierkontakt mit dem 6er Schlagmuster (Sinawali Nr.6). Na, fällt euch etwas auf ? Genau, die Bewegungsverwandschaft ist nicht zu leugnen. In einem methodischen Trainingsaufbau kann das Doppelstocktraining dem waffenlosen Teil vorgeschaltet werden. Die Stöcke dienen sozusagen als verlängerte Orientierungshilfe zum Erkennen der Bewegungen.